Wir sprechen oft von unseren bedürftigen Familien & Waisen oder von den Kindern der Al-Ayn. In diesem Beitrag geben wir euch einen näheren Einblick hinter die Kulissen der Al-Ayn. In zehn Geschichten erfahrt ihr mehr über verschiedene Schicksale unserer bedürftigen Familien & Waisen und was es bedeutet, wenn ein geliebtes Familienmitglied plötzlich nicht mehr da ist!

10 Tage – 10 Geschichten – Eine Inspiration von Kindern der Al-Ayn!

Kawthar

Mein Name ist Kawthar. Eines Jahres besuchte ich die Schreine der Imame mit meiner Familie. Wir spazierten umher und ich sah eine schöne rote Haarspange. Es war das Schönste im ganzen Laden! Ich fragte meine Mama, ob ich sie kaufen könnte – aber ich wusste bereits die Antwort. Sie kostete 3.500 Dinar. Diese Summe könnte unsere Familie für einen ganzen Tag ernähren.

Am nächsten Morgen als ich aufwachte, sah ich die rote Haarspange auf meinem Kopfkissen. Ich konnte es nicht glauben! Mein Vater hatte die Spange für mich gekauft und ich trug sie überall. Als er starb, hörte ich auf sie zu tragen. Ich war zu ängstlich, sie könnte brechen und damit meine Erinnerungen an ihn.

Ich trage sie heute nur für dich, damit du ein Foto machen kannst! Aber sei bitte vorsichtig.

Als mein Vater starb, war ich vier Jahre alt!

 

Zahra

Meine Tochter Zahra hat ihren Vater nie getroffen. Er wurde getötet als ich schwanger war.

Aufgrund eines Familienstreits bleibt meine Tochter tagsüber bei meinen Schwiegereltern und ich darf sie nur nachts sehen. Manchmal wecke ich sie dann auf, damit wir zusammen spielen können.

Mein Lieblingstag im Monat ist der Tag, an dem wir in das Al-Ayn Büro gehen. Ich ziehe sie schön an und die Leute fragen mich oft, ob ihr Geburtstag sei. Aber nur weil ich die Zeit, die ich mit ihr habe, bestmöglich nutzen möchte. Es ist der einzige Tag, an dem ich sie bei Tageslicht sehe!

Hussain

Mein Name ist Hussain. Mein Vater ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Er war von dem Besuch des Schreins von Muslim bin Aqeel auf dem Weg nach Hause.

Ich war erst zwei als das passierte, aber ich erinnere mich, dass meine Mutter sich verändert hat. Sie war ängstlich und deprimiert und manchmal sah ich sie kämpfen, schlafen zu können.

Wenn ich zu laut war, hat sie mich zu meinem Onkel geschickt. Mein Onkel versuchte ihr zu helfen, einen Arzt aufzusuchen.

Wir erhalten jetzt Unterstützung von der Al-Ayn. Ich bete, dass es ihr bald besser geht!

Ghadeer

Mein Name ist Ghadeer. Ich liebe es Gedichte vorzutragen! Das überrascht Leute, weil ich sehr klein bin und manchmal sehr schüchtern sein kann.

Als ich acht Jahre alt war, hat die Al-Ayn mich eingeladen ein Gedicht vor einem Publikum von 400 Leuten vorzutragen. Für einen Moment habe ich meine Nerven verloren und vergaß den Text. Die Freiwilligen fragten die Leute, ob sie klatschen können. Aber ich wusste, dass sie nur klatschten, damit ich mich besser fühle. Ich sammelte mich wieder und dann trug ich das Gedicht selbstbewusst und ohne Fehler vor!

Seitdem ich jemandem von der Al-Ayn über meine Leidenschaft zu Gedichten erzählt habe, sorgen sie dafür, dass mir Möglichkeiten angeboten werden, diese zu fördern.

Asinat

Mein Name ist Asinat und meine kleine Schwester heißt Asan. Als der Konflikt begann, war ich zwei und sie war ein Jahr alt. Wir mussten fliehen, aber der Konflikt breitete sich zu dem Gebiet aus, in das wir geflohen waren und mein Vater wurde getötet.

Tage vergingen bevor wir seine Leiche sahen. Wir konnten keine Beerdigung bezahlen. Wir konnten noch nicht einmal Essen bezahlen und ich erinnere mich daran, dass ich vier oder fünf Tage lang nichts gegessen habe. Vierzig Tage nach der Beerdigung meines Vaters mussten wir erneut fliehen.

Jetzt bin ich sieben Jahre alt und wir wohnen nun an einem sichereren Ort. Ich muss nicht mehr hungern und meine Mutter hat alles, was sie braucht, um sich um uns zu kümmern. Sie sagt, dass verdankt sie der Al-Ayn!

Ich möchte mal Polizistin werden, damit ich dafür sorgen kann, dass niemand ungerechterweise ums Leben kommt!

Ich habe Fotos von der Leiche meines Vaters im Kleiderschrank meiner Mutter gefunden. Manchmal fühle ich, dass er immer noch lebt. Einmal habe ich von meinem Vater geträumt. Ich bin mitten in der Nacht zu meiner Mutter gerannt und sagte ihr, er wolle uns sehen. Es macht mich traurig andere Kinder mit ihrem Vater zu sehen!

Emad

Mein Name ist Emad. Ich bin Fahrer der Al-Ayn. Letztes Jahr hat Ali, ein Patenkind von der Al-Ayn, die Diagnose von Krebs im Endstadium erhalten und ihm wurde gesagt, dass ihm nur noch wenig Zeit bleibt! Sein letzter Wunsch war der Besuch von Imam Hussains Schrein in Karbala.

Ich bekam die Aufgabe mit ihm und seiner Familie dorthin zu fahren. Es war eine sehr lange und anstrengende Fahrt von Bagdad nach Karbala, aber ich fühlte mich geehrt dabei zu helfen, seinen letzten Wunsch zu erfüllen.

Vier Tage später rief mich seine Mutter an und erzählte mir, dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Ich fuhr so schnell ich konnte zu ihm, aber während ich fuhr, erreichte mich ein weiterer Anruf. Ali hatte seinen Kampf gegen den Krebs verloren!

Ich werde oft als Fahrer und als Freund gesehen. In diesem Fall war ich alles, was die Familie hatte. Seine Mutter fragte mich, ob ich ihn beerdigen könnte.

Ich war zutiefst bestürzt als er starb! Unser Job ist hart. Aber wir tun ihn. Wir würden alles für diese Kinder tun!

Haider

Mein Name ist Haider Al Karrar. Mein Vater liebte es mich anzuziehen, wie sich. 2011 kaufte er uns zwei gleiche Anzüge für das Opferfest und wir haben Fotos in einem Studio machen lassen.

Das nächste Jahr kaufte er uns wieder zwei gleiche Anzüge, damit wir unsere Tradition fortsetzen konnten. Aber er starb noch bevor wir die Chance hatten Fotos zu machen.

Unsere ungetragenen Anzüge blieben im Schrank hängen. Kürzlich hat meine Mutter sie an einen bedürftigen Mann geschenkt, der heiraten möchte. Ich fühlte mich gut jemandem in Not helfen zu können, so wie die Al-Ayn uns hilft!

Mein Vater ist zwar tot, aber meine Erinnerungen an ihn sind immer noch da. Das Bild haben wir in unserem Haus aufgehangen.

Es ist nicht leicht, das älteste Kind zu sein!

Ich sorge mich um meine jüngeren Geschwister. Ich bin siebzehn Jahre alt und der Älteste.

Letztes Jahr, vor dem Zuckerfest, konnte ich nicht schlafen. Es würde unser erstes Fest ohne unseren Vater sein und ich wusste nicht, wie wir das schaffen sollen!

Wie du weißt, kaufen Leute normalerweise neue Kleidung für das Fest. Ich mache mir keine Sorgen über mich, aber ich wusste nicht, wie ich neue Kleidung für meine Geschwister kaufen sollte, da ich nicht leicht Arbeit fand und keine Ersparnisse hatte. Ich wollte nicht, dass sie sich anders als ihre Freunde fühlen oder als Waisen bemitleidet werden.

Ein paar Tage vor dem Fest wurden wir in das Büro der Al-Ayn eingeladen. Als wir ankamen, sahen wir Räume gefüllt mit neuer Kleidung und Schuhen. Meine Geschwister waren so aufgeregt – sie rannten umher und nahmen alles, was sie schön fanden.

In diesem Moment konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Zum ersten Mal fühlte ich, dass sich jemand um uns kümmert! Es fühlte sich fast an, als hätten wir unseren Vater zurück! Es ist halt nicht leicht der Älteste zu sein.

Sogar der Jüngste verspürt Schmerz

Ich rannte durch das Lager eines der Al-Ayn Büros. Ich betreue bis zu 150 verwitwete Mütter an einem Tag. Jede Frau zieht ein Ticket und wartet darauf, zu einem Stand aufgerufen zu werden, wo sie ihre monatliche Unterstützung erhält und sie über den Zustand der körperlichen und psychischen Gesundheit ihrer Kinder gefragt wird.

Eines Tages war das Lager voll mit Müttern mit Babies. Diese Mütter haben ihren Ehemann während ihrer Schwangerschaft verloren. Viele von ihnen sind immer noch sehr jung – ein paar sogar in ihren frühen Zwanzigern.

In arabisch werden Kinder, die bereits ihren Vater im Mutterleib verloren haben, als „Kinder, die nicht das Licht gesehen haben“ bezeichnet. Sie haben zwar nie ihre Väter getroffen, aber wir werden uns um sie kümmern bis wir sie scheinen sehen!

Stark wir Zainab

Ich dachte nie, dass ich so stark sein könnte! Ich habe zwei Kinder namens Ruqaya und Dunya und bevor mein Mann starb, kümmerte ich mich um sie und habe nicht viel außerhalb des Hauses gemacht. Ich habe mir nie das Leben ohne ihn vorgestellt und ich dachte nicht, dass ich eines Tages die ganze Arbeit alleine erledigen würde.

Aber jetzt ist er weg – ich bin Vater und Mutter. Ich vermisse ihn! Als er starb, konnte ich nicht helfen. Ich weinte jeden Tag. Aber dann entschied ich mich für meine Kinder stark zu sein! Ich spiele mit ihnen und gebe mein bestes auch zu lächeln. Ich habe ein schwaches Herz, aber ich muss stark sein.

Nicht nur die Kinder haben einen Verlust erlitten, wenn sie verwaist sind. Auch die Ehefrau und die Mutter! Ich bin dankbar für die Unterstützung der Al-Ayn. Sie haben mir nicht nur die Mittel gegeben, die meine Familie zum Überleben braucht, sie haben mir auch eine Gemeinschaft und Freunde gegeben. Ich freue mich jeden Monat zu dem Büro zu gehen, um finanzielle Hilfe zu bekommen, da sie dort auch Workshops anbieten, die mir für das Leben wichtige Fähigkeiten beibringen und ich neue Leute treffen und Freunde finden kann.